Heinz Janalik: Kreativität und Entscheidungskraft zukünftig noch stärker gefragt

Einen der Höhepunkte im Verlauf des Jubiläumsabends stellte die vom Ehrenpräsidenten des Badischen Sportbundes Nord, Heinz Janalik gehaltene Festansprache „75 Jahre Sportkreis Buchen“ mit Rückblick, Gegenwartssituation und kurzem Ausblick auf die Zukunft dar.

Wie der Ehrenpräsident zu Beginn seines 30-minütigen Festvortrages feststellen konnte, sei die Geschichte der Menschheit nie ganz frei gewesen von Katastrophen und schwierigen Zeiten. Stets hätten sich die Menschen dabei mit dem Unerfreulichen arrangieren, Lösungen suchen, Strategien zum Schutz des eigenen Lebens entwickeln, Gesundheit wiedergewinnen und das Sein wieder lebenswert machen müssen. Dies sei denn auch in den meisten Fällen gelungen.

Diese Jubiläumsfestveranstaltung mitten in Zeichen von Corona-Pandemie und deren Folgen, sei wieder einmal ein solches wunderbares Zeichen der Hoffnung, Zuversicht und Stärke. Der Sportkreisvorsitzende Manfred Jehle und seine Führungscrew hätten es dankenswerterweise organisatorisch geschafft, diesen Jubiläumsfestabend in hervorragender Weise zu einem würdigen Geburtstags- und Erinnerungsabend zu machen.

Vor 75 Jahren am 12. Mai 1946 habe der Sportkreis Buchen in Buchen gewissermaßen das Licht der Sportwelt erblickt. Die „Zeichen der damaligen Zeit“ seien damals kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges alles andere als erfreulich und entspannt gewesen. Die Gründung einer Sportorganisation in einer Zeit der Not, des Wiederaufbaus sei damals fürwahr keine Selbstverständlichkeit und kein reines Vergnügen gewesen. Wer in solchen schwierigen, unruhigen Jahren eine disziplinübergeordnete Sportorganisation auf mittlerer Verwaltungsebene gründet, der müsse von der Idee und dem Segen körperlicher Ertüchtigung beseelt sein.

Erster Vorsitzender sei Kreisschulrat Julius Walter gewesen, mit Hubert Wörner als Kassenwart und dem späteren Sportkreisvorsitzenden Rudi Arnold als Pressewart. Den „Funktionärs-Pionieren von damals sei wahrlich Schwerstarbeit abverlangt worden, denn im damaligen Notstandsgebiet „Badisch Sibirien“ habe es fast allerorts an brauchbaren und funktionstüchtigen Sportstätten, Sportgeräten, Sportkleidung gefehlt.

1952 habe dann Rudi Arnold als damals noch blutjunger 24-Jähriger die Nachfolge von Julius Walter als Sportkreisvorsitzender angetreten. Zu seiner nachfolgenden 24-jährigen erfolgreichen Amtszeit hätten bahnbrechende Sportereignisse, zahlreiche Vereinsgründungen, mehrere Kreissportfestes als Gemeinschaftsveranstaltung mit den Fachverbände, unvergessliche Jugend-Zeltlager, Mitarbeit in kommunalen politischen Gremien, vom Sportkreis organisierte Bundesjugendspiele und die Abnahme des Deutschen Sportabzeichens mit Rekordzahlen, sowie - erstmalig in Nordbaden - die Gewährung von Landkreismitteln für Jugend, Sportstättenbau und Übungsleiter gehört.

Auf Rudi Arnold sei dann im Jahr 1976 dessen stellvertretender Sportkreisvorsitzender Arno Hagenbuch als neuer Sportkreisvorsitzender gefolgt, der dieses Amt dann 19 Jahre lang bekleidet habe.

Der Sportkreis und seine Vereine haben von seiner beruflichen Ausrichtung und seiner vielfältigen Kontakte zur Landespolitik und zum Landkreis provitiert. Diesbezüglich habe Arno Hagenbuch sehr erfolgreich die Aktivitäten in der Vereinsbetreuung, im Sportstättenbau und in der Repräsentanz des Sports in Gemeinden, Landkreis und BSB Nord, zu dessen Präsidium er viele Jahre gehört habe, forciert.

1995 habe dann Peter Nirmaier aus Buchen Arno Hagenbuch im Amt des Sportkreisvorsitzenden des Sportkreises Buchen abgelöst und in seiner 16-jährigen Amtszeit die Präsenz seiner Funktion in der Öffentlichkeit verstärkt, die Unterstützung der Vereine intensiviert, die sogenannte „Sportgala“ mit Wahl des Sportlers/der Sportlerin des Jahres initiiert, sowie die Kontaktbegegnungen mit ungarischen Sportfreunde auf Dauer hergestellt.

Schließlich habe dann der jetzige Sportkreisvorsitzende Manfred Jehle im Jahr 2011 das Amt des Sportkreisvorsitzenden übernommen - zunächst für zwei Jahre kommissarisch und danach dann regulär bis zum jetzigen Zeitpunkt. Bis heute führe er die Geschicke seiner Sportorganisation in einer ihm eigenen, sympathischen Art höchst erfolgreich, klug, abwägend, gewissenhaft, engagiert und kompetent mit vielfältigen zeitgemäßen Impulssetzungen.

In der Gesamtschau dieser fünf bisherigen Sportkreisvorsitzenden falle auf, dass deren „Regierungszeiten“ durchweg langfristiger Natur gewesen seien - ein wahrlich gutes Zeichen und Symbol für sachbezogene Kontinuität und solidarisches Denken.

Neben diesen fünf Sportkreisvorsitzenden habe es in den zurückliegenden 75 Jahren im Sportkreis Buchen aber auch noch viele ebenso tüchtige, kompetente und loyale Mitglieder im jeweiligen Sportkreis- vorstand gegeben.

Das bisher Aufgezeigte habe deutlich gemacht, dass die Sportkreise im organisierten Sport auf der organistisch-inhaltlichen Ebene zur Schnittstelle zwischen dem Sportbund und den Vereinen vor Ort geworden seien, aber auch zum bedeutsamen und unersetzlichen Vermittler gegenüber Kommunen, Schulen, Landkreisen und weiteren Partnern. Sportkreise würden stetig Veranstaltungen und Aktionen anbieten, die der Vereins- und Sportentwicklung dienen würden. Sie würden damit ihre Mitgliedsvereine und die angehörenden Sportfachverbände in allen nichtsportfachlichen Fragen fördern und unterstützen. Sie würden als mittlerweile mehrperspektivische Dienstleister, Ratgeber, Unterstützer, „Türöffner“ etc. für die zu ihnen gehörenden Vereine fungieren und seien zwischenzeitlich unersetzlich.

Um die überragenden Leistungen derjenigen Menschen angemessen zu würdigen, deren Aktivitäten und Einsatz im und für den Sportkreis letztendlich dessen Existenz im Verlauf von 75 Jahren bis heute garantiert hätten, müsse man sich in ihre jeweilige historische, gesellschaftliche und kulturelle Zeit hineinversetzen. Erst dann werde deutlich, welche beeindruckenden Fähigkeiten, welcher Weitblick, welche Überzeugungskraft und vor allem welche große Verantwortung für Mitmenschen, diese Repräsentanten des organisierten Sports und deren „Nachfolger*innen investiert hätten. Ihnen allen gebühre dafür höchste Anerkennung und Wertschätzung sowie tiefe Dankbarkeit.

Für uns heute sei es im Vergleich zu damals selbstverständlich geworden, unsere Sportvorlieben problemlos auswählen zu können, die uns qualifizierte Übungsleiter*inne die Inhalte vermitteln, und wir unseren Sport für relativ wenig Geld in attraktiven Sportstätten ausüben könnten. Heute sei der Sport ein bedeutendes Element unserer Alltagswelt geworden. Für den aktuellen, im Vergleich zu den Anfängen paradiesischen Zustand in den Vereine, hätten Verantwortungsträger - auch in den Sportkreisen - jahrzehntelang zu kämpfen, werben, argumentieren, Aufklärungsarbeit verrichten, Aus- und Fortbildungen auf sich nehmen, kostbare Freizeit und Schaffenskraft opfern und nicht selten Misserfolge, Enttäuschungen, Frust und fehlende Unterstützung auf sich nehmen müssen. Aber sie hätten durchgehalten, weil sie Herzblut in ihre Funktion und Aufgabe investiert hätten.

Es sei gelungen, im Laufe der Zeit einen bestens funktionierende und erfolgreich arbeitende, Moderne Sportkultur auch im Sportkreis Buchen aufzubauen, in denen sich ein höchst erfolgreich betriebener Leistungssport ebenso finde, wie der Breitensport. Für die Erfolgsgeschichte einer Sportorganisation sei also neben der Vereinstreue der Mitglieder ein besonderes Engagement der Führungskräfte in den übergeordneten Organisationen notwendig - eine Einstellung, die sich offenkundig bis heute von Generation zu Generation vererbt habe.

Wie geht es denn nun weiter? Heinz Janalik zeigte auf, dass ein bestens aufgestellter Sportkreis nicht nur rosigen Zeiten entgegen gehe. Einen Blick auf zunehmende Probleme der Zukunft werfend wurden vom Ehrenpräsident in der Folge folgende Problemschwerpunkte besonders angesprochen: Mitgliederschwund, Finanzierungsprobleme, die Schwierigkeit der Rekrutierung ehrenamtlichen Nachwuchses, die ungebremste Anspruchshaltung in der Bevölkerung, die kommerzielle und halbkommerzielle Konkurrenz, die Vorbildwirkung im internationalen Spitzensport, die Kommerzialisierung im Sport, die zunehmende Privatisierung des Sporttreibens, die Bürokratisierung, die zunehmende Digitalisierung. All diese genannten Probleme seien Dauerbrenner.

Deshalb benötige man in den Sportvereinen Menschen, die sich durch geistige Flexibilität, Kreativität, Originalität und Entscheidungskraft auszeichnen würden. Er wünsche von ganzem Herzen, dass der Sportkreis Buchen in diesem dynamischen, zukunftsorientierten und existenzsichernden Entwicklungsprozess zum Vorbild für die ganze Region werde. In diesem Sinne wünschte er dem Sportkreis Buchen alles Gute und viel Erfolg für die erfolgreiche Bewältigung der Zukunft.