35. Sportkreistag des Sportkreises Buchen

 

Vereine stehen vor großen Problemen

Zum 35. Sportkreistag des Sportkreises Buchen am Freitag im Haus der offenen Tür begrüßte dessen Vorsitzender Manfred Jehle neben den Delegierten und Vorstandsmitgliedern zahlreiche Ehrengäste aus Politik und Sport. Nach einer Ansprache des Präsidenten des Badischen Sportbundes Nord (BSB), Heinz Janalik, bedauerte es Sportkreisvorsitzender Jehle, dass dieser nach 16 Jahren seinen „Chefsessel“ in Karlsruhe räumt. Mit Janalik verliere der Sportkreis Buchen eine herausragende Persönlichkeit und einen Fürsprecher der Region. Vor allem der Respekt vor den vielen Ehrenamtlichen, die Nähe zur Vereinsbasis, die hervorragende Kenntnis über die Vielfalt im Sport, sein Integrations- und Durchsetzungsvermögen sowie sein diplomatisches Geschick zeichne Heinz Janalik in ganz besonderer Weise aus.

Umfangreich war in der Folge Jehles Rechenschaftsbericht. „Stillstand im Sport wie in der Wirtschaft bedeutet stets Rückschritt“, betonte er eingangs. Weil es gegen die Natur des Sports sei, still zu stehen, stelle er sich stets aufs Neue den Aufgaben, die im Alltag entstehen. Einige dieser Aufgaben, mit denen sich die Vereine zukünftig verstärkt beschäftigen müssten, hob der Sportkreisvorsitzende besonders hervor: die mit der Einführung von Ganztagsangeboten an Schulen noch bedeutendere Zusammenarbeit von Sportvereinen und Schulen, das aktuelle Flüchtlingsproblem und der demografische Wandel samt der damit verbundenen Probleme bei der Gewinnung Ehrenamtlicher.

Bei all den Aufgaben, die die Vereine zukünftig zu bewältigen hätten, dürfe das Kerngeschäft – der Wettkampf- und Breitensport – nicht vernachlässigt werden. Dessen Voraussetzungen müssten dem demografischen und gesellschaftlichen Wandel stetig angepasst werden. Neue Wettkampfformen und flexible Trainingsmöglichkeiten, auch für ältere Mitglieder seien gefragt. Dafür seien aber auch Sporthallen oder eventuell neue Gymnastikräume erforderlich. Dies bedeute jedoch hohe Investitionskosten, die viele Vereine nicht aufbringen könnten, ohne die unmittelbare Unterstützung durch das Land, den BSB und die Kommunen. Dies seien jedoch Investitionen in die Zukunft der Vereine. All die erwähnten Aufgaben und Probleme, die in der Vergangenheit gelöst worden seien, würden nicht darüber hinweg täuschen, dass viele Vereine vor zum Teil großen Problemen stehen. „Das mit Abstand bedrohendste Problem ist die Bindung und Gewinnung von ehrenamtlichen Funktionären“, so Jehle. Gefolgt von der großen Anzahl an Gesetzen, Verordnungen und Vorschriften, und auch die Bindung und Gewinnung von jugendlichen Leistungssportlern, Mitgliedern und Übungsleitern würden gravierende Probleme darstellen.

Der BSB habe diese Probleme erkannt und werde durch verschiedene Maßnahmen aktiv gegensteuern. Genannt wurden hier vom Sportkreisvorsitzenden die im November 2014 unter dem Titel „Perspektive entwickeln – Zukunft sichern“ gestartete Initiative „Sportverein 2020“ sowie das Regio-Projekt, für dessen Umsetzung eine Laufzeit bis 2020 vorgegeben sei.

In seinem Rückblick auf die zurückliegenden drei Jahre im Sportkreis Buchen ging Jehle zunächst auf die erfolgreich durchgeführten Informationsveranstaltungen und Schulungen für die Vereine näher ein, ehe er darüber informierte, dass dem Sportkreis Buchen derzeit 128 Vereine mit insgesamt 36 658 Mitgliedern angehören. Im Zeitraum 2013 bis 2015 seien im Sportkreis Buchen 22 Sportstätten-Bauanträge mit einem zuschussfähigen Aufwand von insgesamt 832 194 Euro bewilligt worden.

Bei den im Sportkreis vertretenen Fachverbänden sei die Fachschaft Fußball mit 13 937 Mitgliedern die Nummer eins, gefolgt von den Turnern mit 11 964 Mitgliedern, der Fachschaft Tennis mit 2344 Mitgliedern sowie von der Fachschaft Schützen mit 2022 Mitgliedern. Mit dem TSV Buchen, dem TV Walldürn, dem TSV Höpfingen und dem TV Hardheim hätten 2015 vier Vereine mehr als 1000 Mitglieder gemeldet. Ferner seien in den Jahren 2012/ 2013 bis 2014/2015 von den Vereinen im Sportkreis Buchen 242 Anträge im Bereich „Kooperation Schule-Verein“ gestellt worden, von denen 218 mit einem Gesamtvolumen von 83 500 Euro genehmigt wurden.

Neben den Verwaltungsaufgaben und Vertretungen nach außen hin erinnerte Jehle an die im zweijährigen Rhythmus durchgeführte Sportgala, an die Mitarbeit beim Projekt „Sterne des Sports“, an die Sportabzeichenabnahme an den jeweiligen Stützpunkten und Schulen des Sportkreises Buchen sowie an die vierteljährlichen Treffen des Freundeskreises der Sportsenioren.

Nach detaillierten Informationen über den Solidarpakt II (2012 bis 2016) und III (2017 bis 2021) ging Jehle auf die bisherigen und zukünftigen Förderstrukturen des Neckar-Odenwald-Kreises beim Sportstättenbau ein. Demnach hätten die Vereine in den Sportkreisen Buchen und Mosbach den jährlichen Gesamtbetrag in Höhe von 40 000 Euro in den zurückliegenden sechs Jahren zu keinem Zeitpunkt voll ausgeschöpft. Der Betrag solle deshalb zwar in seiner Höhe erhalten bleiben, allerdings in den Ausbau und das Serviceangebot von Vereinsgeschäftsstellen fließen und den Übungsleitern zugutekommen.

Abschließende Dankesworte Jehles galten dem Neckar-Odenwald-Kreis und allen Kommunen im Sportkreis Buchen für die tatkräftige Unterstützung, ebenso allen Vorstandsmitgliedern sowie den Geschäftsstellenmitarbeiterinnen Martina Schwing und Susanne Süssenbach für die Zusammenarbeit.

Dem Geschäftsbericht des Sportkreisvorsitzenden folgten die Berichte von Schatzmeister Klaus Müller und der Kassenrevisoren Martin Pisch und Manfred Weber. Helmut Ebert trug in Vertretung der kommissarischen Sportabzeichenobfrau Dagmar Hufnagel den Bericht über das Sportabzeichenjahr 2015 vor. Demnach haben 129 Prüfer 2169 Sportabzeichen im Sportkreis Buchen abgenommen, darunter 1800 Jugendsportabzeichen.

Ein Kurzreferat des Geschäftsführers des Badischen Sportbundes, Wolfgang Eitel, über das neue Regio- Konzept des BSB als Antwort auf die demografische Entwicklung rundete die Versammlung ab. ds

 

Wahlen und Ehrungen

  • Vorsitzender: Manfred Jehle.
  • Stellvertretende Vorsitzende: Jürgen Galm und Helmut Ebert.
  • Schatzmeister: Klaus Müller.
  • Schrift-/Pressewart: Walter Jaufmann.
  • Vorsitzende des Kreisausschusses für Frauen und Sport: Renate Gogollok.
  • Kassenrevisoren: Manfred Weber und Martin Pisch.
  • Sportabzeichenobmann: vakant.
  • Vertreter der Verbände: Kurt Bonaszewski.
  • Vorsitzender der Sportkreisjugend: Werner Mohr.
  • Delegierte für den BSB-Sportbundestag: Rudi Arnold, Helmut Ebert, Kurt Henn, Walter Jaufmann, Manfred Jehle, Leo Kehl, Rudi Knühl, Klaus Müller und Werner Mohr.
  • Ehrennadel des Badischen Sportbundes in Gold: Gerlinde Mechler und Günter Wenig (beide Sportschützenverein Schloßau). ds

 

Grußworte

Zum Auftakt des 35. Sportkreistages am Freitag im Haus der offenen Tür sprachen mehrere Ehrengäste Grußworte und würdigten darin die Arbeit des Sportkreises Buchen. Den Auftakt machte Walldürns Bürgermeisterstellvertreter Theo Staudenmaier. „Die stattliche Anzahl von über 36 000 Mitgliedern, die durch den Sportkreis Buchen vertreten werden, dokumentiert, dass der Breitensport und das damit verbundene Ehrenamt noch immer einen hohen Stellenwert in allen Städten und Gemeinden genießen.“

Die ehrenamtlichen Betreuer, Übungsleiter und Funktionäre seien wie ein Fundament für die Gesellschaft. Eine Herkulesaufgabe sei es derzeit für die Vereine und Verbände, sich den gesellschaftlichen Veränderungsprozessen anzupassen. Nicht nur aufgrund des demografischen Wandels müssten die Vereine reagieren, müssten nach neuen Strukturen suchen, neue Angebote schaffen, aber auch Bewährtes beibehalten.

Der Erste Landesbeamte des Neckar- Odenwald-Kreises, betonte dass die Wirkungen des Sports weit über die individuellen Effekte hinausgingen. Der Sport stärke und kräftige die Gesellschaft, und er sorge für Zusammenhalt und Gemeinschaft. Im Neckar-Odenwald-Kreis wisse man durchaus, was man an den Sportlern, Sportvereinen und Sportkreisen habe.

Das merke man zum einen am großen Einsatz, den die Städte und Gemeinden in diesem Bereich erbringen würden, zum anderen aber auch daran, dass der Haushaltsplan des Landkreises in diesem Jahr wieder eine beachtliche Förderung vorsehe: 40 000 Euro für den Sportstättenbau, 30 000 Euro für die Finanzierung von Übungsleitern, 10 000 Euro für die Geschäftsstellen der Sportkreise in Buchen und Mosbach sowie 4000 Euro für Partnerschaften. Ferner seien noch 15 000 Euro für Sachleistungen an Vereine eingeplant. In Zukunft wolle man darauf achten, dass noch mehr dieser eingeplanten Mittel dem Sport tatsächlich zugute kommen. Gerade die Förderung für den Sportstättenbau sei in der Vergangenheit oft zu großen Teilen nicht abgerufen worden, und man wolle diese Mittel deshalb zukünftig in eine andere Form der Sportförderung ummünzen. Ein abschließender Dank des Ersten Landesbeamten galt insbesondere dem Vorstandsteam des Sportkreises um Manfred Jehle. Sie alle würden in besonderer Weise die Werte und Ideale verkörpern, die dem Sport zugrunde liegen und dafür einen Großteil ihrer Freizeit in den Dienst der Gemeinschaft stellen.

Heinz Janalik, Präsident des Badischen Sportbunds, erinnerte daran, dass er im Sportkreis Buchen aufgewachsen und groß geworden sei. Seine innige Verbindung zu diesem Sportkreis werde daher nie enden. Kritisch sprach Janalik das seiner Meinung nach in letzter Zeit deutlich gesunkene Interesse und die oft mangelnde Präsenz von politischen Vertretern aus Bund und Land beim organisierten Sport und insbesondere beim Breitensport an. Außerdem ging der BSB-Präsident auf das Erfolgmodell „Solidarpakt II und III“ sowie die besonderen Leistungen des Badischen Sportbundes in den zurückliegenden drei Jahren in den Bereichen Vereinsförderung, Vermittlungsangebote in den Medien, Öffentlichkeitsarbeit mit dem Regionalsender Baden TV und Sport mit Flüchtlingen ein.

Abschließend stellte Janalik erfreut fest, dass im Sportkreis Buchen in den zurückliegenden drei Jahren sehr intensiv und erfolgreich zum Wohle aller Mitgliedsvereine und Vereinsmitglieder gearbeitet worden sei. Der Sportkreis Buchen könne stolz sein auf die geleistete Arbeit und eine erfolgreiche Bilanz ziehen.

„Das stets praktizierte solidarische Denken und Handeln sollte auch zukünftig im Blickpunkt des Geschehens stehen“, so Janalik. Denn große Herausforderungen würden viele Vereine und Verbände im nächsten Jahrzehnt oftmals an die Grenzen des Machbaren führen und Veränderungen in der Organisation nach sich ziehen. ds

(Quelle: Fränkische Nachrichten, 25. April 2016)