"Sobald du an die Platte gehst, spürst du es gar nicht mehr“, berichtet Matthias Schirm. Er kommt aus Schlierstadt und hat Parkinson. Als leidenschaftlicher und langjähriger Tischtennisspieler weiß er aus eigener Erfahrung: Mit dieser Sportart können die Symptome der Parkinson-Krankheit verlangsamt werden. Dies bestätigen auch erste wissenschaftliche Studien dazu. Und so hat Schirm nun in der Tischtennis-Abteilung des SV Adelsheim eine Gruppe für Parkinson-Erkrankte gegründet, zu der alle Interessierten willkommen sind.
Mit seiner Idee hat Matthias Schirm bei den Verantwortlichen des SV Adelsheim offene Türen eingerannt. „Wir sind offen für alle Sportarten“, sagt Bernhard Bopp, seit 2018 Vorstand Wirtschaftsbetrieb beim Mehrspartenverein. Von Fußball über Darts, Volleyball, Kleinkindturnen oder Leichtathletik bis hin zu eben Tischtennis wird hier alles angeboten. „Wir sind bemüht, alle Sportarten aufrechtzuerhalten und neue zuzulassen“, so Bopp. So gibt es beim SVA auch zwei Rehasportgruppen. Seit zwei Jahren ist der Verein anerkannter und zertifizierter Partner des Badischen Rehasportverbands. Das Thema Gesundheit wird also beim Sportverein, der aktuell rund 850 Mitglieder zählt, großgeschrieben. Und so haben die Verantwortlichen gleich grünes Licht gegeben, als Matthias Schirm die Gründung der Parkinson-Tischtennisgruppe ansprach. „Solche Angebote unterstützen wir gern“, so Bernhard Bopp.
Auf die Idee kam Schirm über den Verein Ping-Pong-Parkinson Deutschland. Dieser wurde im Jahr 2020 von zwei Tischtennisspielern gegründet, die ebenfalls an Parkinson erkrankt sind. Ziel ist es, noch mehr Betroffene zu erreichen und ihnen zu helfen, ihre Lebensqualität zu verbessern. Und zwar durch Tischtennis-Stützpunkte. Da Schirm selbst jahrelang beim SV Adelsheim Tischtennis gespielt hatte – die Abteilung wurde bereits 1954 gegründet – ist er mit seiner Idee auf seine „alten Kollegen“ zugegangen, einen Stützpunkt in Adelsheim zu errichten. Denn der nächste der deutschlandweit rund 300 Stützpunkte von Ping-Pong-Parkinson befindet sich einige Kilometer entfernt, nämlich in Neckarsulm. Deshalb möchte Matthias Schirm den Parkinson-Erkrankten aus der Region die Möglichkeit geben, mit Tischtennis mehr Lebensqualität zu erlangen.
Auch bei Etienne Zinkel, einem der zwei Abteilungsleiter der Tischtennissparte beim SVA, sowie Oliver Niemann, verantwortlich für die Pressearbeit, stieß Matthias Schirm auf offene Ohren. „Wir freuen uns über jedes neue Gesicht“, sind sie sich einig. Und: „In erster Linie geht es um Spaß und Bewegung.“ Allerdings steht im oberen Leistungsniveau auch der sportliche Erfolg im Mittelpunkt: Die erste Mannschaft spielt inzwischen in der Verbandsliga, die zweite in der Verbandsklasse. Das Schöne an ihrer Sportart sei, dass Jung und Alt, Frauen und Männer gemeinsam spielen können, so Zinkel und Niemann. Darüber hinaus sei Tischtennis wetterunabhängig, und man verletzt sich nicht so schnell. Zudem schule die „schnellste Rückschlagsportart“ Geschwindigkeit und Motorik.
Letzteres gilt auch für Menschen, die an Parkinson erkrankt sind. Darüber hinaus werden Beweglichkeit, Gleichgewichtssinn und Reaktionsvermögen gefördert und damit die Sturzneigung reduziert. Außerdem werden die Gedächtnisleistung und das Konzentrationsvermögen verbessert. Eine Studie hat ergeben, dass sich bei Menschen mit Parkinson, die sechs Monate lang einmal pro Woche an einem Tischtennis-Training teilnahmen, eine Verbesserung ihrer Symptome zeigte. Und genau diese Vorteile will Matthias Schirm auch anderen Betroffenen ermöglichen.
Tischtennis hat dabei indes nicht nur auf Körper und Geist positive Auswirkungen, sondern auch auf der sozialen Ebene: „Viele, die krank sind, schotten sich ab. So etwas wie Ping-Pong-Parkinson schafft Integration“, betont Bernhard Bopp. Denn schließlich sei dies beim SVA auch ein wichtiges Thema.
Und so sollen nun an Parkinson Erkrankte zusammen mit den Spielern beim SVA trainieren. Jeden Dienstag und Freitag geht es ab 18 Uhr an den 14 Platten in der Eckenberghalle los. „Es sind keinerlei Vorkenntnisse nötig. Man kann einfach vorbeikommen und reinschnuppern“, so Matthias Schirm. Wer länger bleiben möchte, muss alleine schon aus versicherungstechnischen Gründen Mitglied beim SVA werden.
Dies kann sich gerade für Menschen, die an Parkinson erkrankt sind, lohnen: Denn neben den gesundheitlichen Vorteilen und dem Miteinander in der Gruppe gibt es für sie auch sportliche Anreize. Zumal sie „durchaus in die Mannschaften integriert werden können“, so Zinkel. Und so „ist jeder willkommen“ – gemäß dem Motto von Ping-Pong-Parkinson: „Parkinson ist nicht ansteckend, Ping-Pong-Parkinson schon.“
Text und Bild: Andreas Hanel, Rhein-Neckar-Zeitung, 13. September 2025
