"Die Vereine bei ihrer täglichen Arbeit ganz praktisch unterstützen"

Im Interview mit "Sport in BW" beschreibt Bernd Süssenbach, was ihn als neuer Vorsitzender des Sportkreises Buchen antreibt, welche Vorhaben er in den kommenden Jahren umsetzen will und welche Rolle der Sportkreis als Dienstleister für die Vereine spielen will.

Herr Süssenbach, als neuer Vorsitzender des Sportkreises
Buchen, wie sind Sie selbst zum organisierten Sport und schließlich zum Sportkreis gekommen?

Schon als aktiver Handballer hat es mich fasziniert, hinter die Kulissen meines Sportvereins zu blicken. Mich interessierte nicht nur das Sportliche, sondern auch, wie ein Verein organisiert ist. Erste praktische Erfahrungen konnte ich sammeln, als ich für unsere Handballabteilung einen Sponsor gewinnen durfte. In den darauffolgenden Jahren war ich in der Handballabteilung des TSV Buchen für Marketing und Sponsoring verantwortlich. Parallel dazu habe ich mich als Sportfotograf engagiert und trainierte unser Handball Damen-Team. Diese Zeit war für mich sehr lehrreich, weil ich tiefe Einblicke in die Vereins- und Medienarbeit erhielt und zugleich ein starkes Netzwerk aufbauen konnte.

Ein wichtiger Schritt war der Vorschlag von Kurt Bonaszewski sich in den Vorstand des TSV 1863 Buchen wählen zu lassen. Als 2. Vorsitzender des TSV 1863 Buchen konnte ich dort wertvolle Impulse setzen, insbesondere in den Bereichen, Organisation und Qualitätsorientierung. Ende 2021 klingelten dann zwei langjährige Weggefährten aus meiner Handball- und Vorstandszeit – Manfred Jehle und Helmut Ebert – an meiner Haustür. Sie fragten mich, ob ich mir vorstellen könne, im Vorstand des Sportkreises Buchen mitzuwirken. Ihr Ziel war es, mir die Strukturen und Aufgaben der Verbandsarbeit näherzubringen.

Am 16. Mai 2025 wurde ich schließlich zum 1. Vorsitzenden des Sportkreises Buchen gewählt. Meine Ziele orientieren sich eng an den Leitlinien des Badischen Sportbundes Nord (BSB Nord). Besonders wichtig sind mir dabei die Digitalisierung und der Aufbau eines leistungsfähigen Netzwerks, um schneller und direkter mit den Vereinen zusammenarbeiten zu können. Ein weiteres zentrales Anliegen ist es, die Sichtbarkeit des Sportkreises in der Öffentlichkeit zu stärken. Dabei sehe ich insbesondere Ralf Scherer, der die Öffentlichkeitsarbeit und Pressearbeit verantwortet, sowie Andreas Stockert, der unsere Sportkreissitzungsberichte verfasst, als zentrale Partner, mit deren Unterstützung uns dies gelingen kann. Darüber hinaus setze ich mich für die dezentrale Fortbildung ein – ein Ansatz, den wir im Team des BSB Nord bereits vor einigen Jahren angestoßen haben und den ich nun weiter ausbauen möchte.

Was motiviert Sie persönlich, sich ehrenamtlich in dieser Funktion zu engagieren?

Meine Motivation liegt in erster Linie darin, dass ich an dieser Tätigkeit große Freude habe. Es bereitet mir viel Spaß, Strukturen aufzubauen,
Organisation zu gestalten und Prozesse gezielt zu verbessern. Schon immer fand ich es spannend zu erleben, wie man durch klare Standards
und gut abgestimmte Abläufe sowohl Vereine als auch Verbände langfristig stärken kann. Derzeit erarbeite ich eine eigene Datenbank sowie
eine Managementstruktur.

Die vergangenen Jahre im Vorstand des Sportkreises Buchen waren für mich besonders aufschlussreich. Ich konnte tiefere Einblicke in die vielfältige Verbandsarbeit gewinnen und habe dabei erkannt, wie wichtig eine funktionierende Organisation für die Unterstützung der Vereine ist. Besonders die Arbeitskreise auf der Teams-Plattform – etwa im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Bildung gemeinsam mit Patrick Orf – sind hier sehr wertvoll. Ebenso erlebe ich die jährliche Klausurtagung der Sportkreise in der Klimaarena als äußerst konstruktiv. Dort konnte ich mit anderen Vorsitzenden sehr gute Gespräche führen, Erfahrungen austauschen und wertvolle Impulse für unsere Arbeit mitnehmen. Darüber hinaus bin ich Teil eines starken Teams, das sich durch eine gelungene Mischung aus jungen, neuen Köpfen und langjährig erfahrenen Mitgliedern auszeichnet. Ein Beispiel ist Klaus Müller, der für unsere Finanzen verantwortlich ist und sich hervorragend mit Fördermöglichkeiten auskennt. Diese Vielfalt an Perspektiven und Kompetenzen macht unsere Arbeit nicht nur effektiver, sondern auch besonders bereichernd.

Besonders wertvoll empfinde ich zudem den konstruktiven Austausch auf kommunaler Ebene. Hier stoßen wir nicht nur auf typische organisatorische Fragen, sondern begegnen auch ganz unterschiedlichen Problemstellungen und Perspektiven. Dieser Dialog erweitert den eigenen Blickwinkel und schafft die Grundlage für praxisnahe, tragfähige Lösungen – zum Nutzen unserer Vereine und der gesamten Sportlandschaft.

Warum lohnt es sich aus Ihrer Sicht, sich in einer Sportorganisation wie dem Sportkreis zu engagieren – sei es als Ehrenamtlicher oder als Verein?

Ein Engagement im Sportkreis lohnt sich aus mehreren Gründen. Zum einen bietet der Sportkreis eine starke Plattform, um die Interessen der Vereine zu bündeln und ihnen auf regionaler und überregionaler Ebene Gehör zu verschaffen. Gerade für kleinere Vereine ist es wichtig, Teil einer größeren Gemeinschaft zu sein, die sich für ihre Anliegen einsetzt und ihnen Zugang zu Informationen, Fördermöglichkeiten und Netzwerken eröffnet.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das dezentrale Fortbildungsangebot, das wir in den kommenden Jahren fest etablieren möchten. Ein Beispiel war der Lehrgang zum Sportabzeichenprüfer, den wir in diesem Jahr direkt in Buchen durchführen konnten. Solche Maßnahmen erleichtern den Zugang zu Qualifikationen, stärken die Vereine vor Ort und entlasten Ehrenamtliche, weil sie nicht weite Wege in Kauf nehmen müssen. An dieser Stelle möchte ich dem BSB Nord herzlich danken, der uns bei diesem Vorhaben seine Unterstützung signalisiert hat.

Darüber hinaus eröffnet ein Engagement im Sportkreis die Möglichkeit, aktiv an der Gestaltung der Sportlandschaft in unserer Region mitzuwirken. Wer sich einbringt, kann Veränderungen anstoßen, Projekte initiieren und die Rahmenbedingungen für Sport und Ehrenamt nachhaltig verbessern. Damit leistet jeder Einzelne einen wichtigen Beitrag, um Sport nicht nur als Freizeitbeschäftigung, sondern auch als gesellschaftliche Aufgabe zu stärken. Ich bin dankbar, dass mein gesamter Vorstand mich hierbei sehr aktiv unterstützt – mit vielen Ideen, mit kritischen Anmerkungen und mit großem persönlichem Einsatz. Besonders hervorheben möchte ich das Team Bildung mit Martina Banschbach und Birgit Holzmann, die das Thema Fortbildung engagiert vorantreiben und vollständig in die weitere Gestaltung eingebunden sind.

Was bedeutet es, „Sportentwicklung vor Ort“ konkret umzusetzen?

„Sportentwicklung vor Ort“ bedeutet für mich, dass wir nicht abstrakt über Sportpolitik sprechen, sondern die Vereine in ihrer täglichen Arbeit ganz praktisch unterstützen. Konkret heißt das: Wir wollen die Bedingungen so gestalten, dass Sportangebote für alle Altersgruppen attraktiv bleiben und gleichzeitig neue Zielgruppen erreicht werden können.

Ein zentraler Baustein ist dabei die Förderung der Vereinsarbeit im ländlichen Raum. Hier sind die Vereine oft nicht nur sportliche Heimat, sondern auch wichtige soziale Treffpunkte. Deshalb unterstützen wir sie gezielt bei Fragen der Organisation, Mitgliedergewinnung, Ehrenamtsförderung und Qualifizierung. Ebenso nehmen wir aktiv an Ehrungen und Jubiläen der Vereine teil, um die Bedeutung des Ehrenamts und die Arbeit der Vereinsverantwortlichen sichtbar zu würdigen. Diese Aufgaben übernehmen neben mir auch meine Stellvertreter Jürgen Galm und Leo Kehl, die den Sportkreis in diesen Bereichen engagiert vertreten.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Zusammenarbeit mit Schulen und Kindergärten sowie in der engen Partnerschaft zwischen Schule und Verein. Schulen und Kindergärten bilden aus meiner Sicht die Basis, um frühzeitige Bewegungserfahrungen zu schaffen. Die Kooperation von Schule und Verein ermöglicht darüber hinaus den direkten Übergang in den organisierten Sport. Projekte wie der Bewegungspass und das Sportabzeichen leisten dabei einen wertvollen Beitrag, um Kinder frühzeitig für Bewegung und Sport zu begeistern. Besonders hervorheben möchte ich in diesem Zusammenhang die wertvolle Arbeit unserer Geschäftsstelle mit Susanne Süssenbach, die diesen Bereich nun schon seit mehr als zehn Jahren zuverlässig betreut, sowie die engagierte Unterstützung durch unseren Sportabzeichen-Obmann Helmut Ebert. Beide pflegen kontinuierlich den Kontakt zu den Schulen und begleiten diese Kooperationen aktiv.

Darüber hinaus bedeutet „Sportentwicklung vor Ort“ auch, gesellschaftliche Entwicklungen und neue Trends aufzugreifen. Dazu gehören Themen wie Inklusion, Integration und Nachhaltigkeit. Wir wollen den Vereinen praxisnahe Lösungen anbieten, wie sie diese Themen in ihren Alltag einbauen können – sei es durch moderne Kommunikationswege, durch Fortbildungen oder durch Unterstützung bei Projektideen. Dies ist das Ressort von Martina Banschbach, die ich in diesem Bereich sehr gerne unterstütze, da ich hier enormes Potenzial und viele Möglichkeiten für unsere Vereine erkenne. Kurz gesagt: Sportentwicklung vor Ort heißt, die Vereine handlungsfähig zu machen, neue Impulse zu geben und gleichzeitig als Partner zur Seite zu stehen – immer mit dem Ziel, dass Sport in unserer Region lebendig, vielfältig und zukunftsfähig bleibt.

Über 36.000 Mitglieder und 123 Vereine – was macht die Sportlandschaft in Ihrer Region so besonders?

Vereine aus dem Sportkreis Buchen bieten nicht nur breit gefächerte Angebote für alle Altersgruppen, sondern erreichen im Amateursport auf hohem Leistungsniveau Ergebnisse, die weit über die Region hinaus Beachtung finden.

Der Sportkreis Buchen hat in den letzten drei Jahren beachtliche Erfolge auf Landes-, Deutschen- und Weltmeisterschaftsebenen erzielt – von Hip-Hop/Breakdance (TSV Buchen) über Geräteturnen (Hettingen), Leichtathletik (TSV Buchen), Schießen (SG Buchen), Karate (Walldürn), Fechten (Hardheim-Höpfingen) bis hin zum Reitsport (Glashofen).

Gleichzeitig prägt uns die große Vielfalt des ländlichen Raumes, die auch Herausforderungen mit sich bringt – etwa die teilweise weiten Wege zu den Sportstätten. Umso erfreulicher ist es, dass viele Kinder diese Strecken inzwischen selbst über die neuen Fahrradwege bewältigen – unterstützt durch ihre engagierten Eltern.

Darüber hinaus verfügen unsere Vereine, die Städte und Dörfer im Sportkreis über eine Vielzahl an Liegenschaften wie Sportplätzen und Hallen. Bedauerlich ist jedoch, dass die Zahl der sportlich Aktiven in den Vereinen rückläufig ist und viele Vereine zunehmend auf Spielgemeinschaften zurückgreifen müssen. Umso mehr bin ich den Vereinen und auch den Städten und Gemeinden dankbar, dass sie diese Sportstätten dennoch erhalten, erneuern und oftmals erhebliche Investitionen tätigen – unterstützt auch durch Förderungen des Badischen Sportbundes Nord.

Der Sportkreis versteht sich auch als Interessenvertreter gegenüber Politik und Gesellschaft. Wie funktioniert diese Arbeit konkret vor Ort?

Wir stehen im engen Austausch mit den Stadtoberhäuptern und Gemeinden, um die Anliegen unserer Vereine zu vertreten und die Sportinfrastruktur zu sichern. Welche Veranstaltungen plant der Sportkreis Buchen 2025, bei denen man Ihre Arbeit hautnah erleben oder den Kontakt suchen kann? Noch in diesem Jahr planen wir gemeinsam mit dem Badischen Sportbund Nord eine große Ehrungsveranstaltung für die Sportkreise Tauberbischofsheim, Mosbach und Buchen. Ab 2026 möchten wir mit dezentralen Fortbildungen starten, die spannende Themen für unsere Vereine bereithalten. Ein weiteres Highlight wird die Sportgala sein, bei der wir wieder erfolgreiche Sportlerinnen, Sportler und Mannschaften auszeichnen.

Wie können die Vereine Sie erreichen, wenn sie Anliegen oder Fragen haben?

Unsere Türen stehen den Vereinen jederzeit offen. Wir sind über E-Mail, Telefon und auch persönlich erreichbar. Unsere Geschäftsstelle ist einmal die Woche geöffnet. Wer Fragen, Anliegen oder Ideen hat, darf sich jederzeit an uns wenden – wir verstehen uns als Partner unserer Vereine. Unsere Website ist ebenfalls stets aktuell und informiert über unser Tun und Handeln. In Zukunft werden wir die Öffentlichkeitsarbeit weiter ausbauen und an alle Altersgruppen im Sportkreis Buchen anpassen.

Quelle: Sport in BW, Ausgabe September 2025

Sportkreisvorsitzender Bernd Süssenbach.

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